Der innere Mensch wird erneuert

Predigt über 2. Korinther 4, 13 - 18
(Reihe IV Jubilate)
Pfarrer Kelber

Donnerstag, 11. Mai 2006 Lobpreisgottesdienst

Auferstehungskirche Schweinfurt

13 Weil wir aber denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht (Psalm 116,10): "Ich glaube, darum rede ich" so glauben wir auch, darum reden wir auch;
14 denn wir wissen, dass der, der den Herrn Jesus auferweckt hat, wird uns auch auferwecken mit Jesus und wird uns vor sich stellen samt euch.
15 Denn es geschieht alles um euretwillen, damit die überschwänglich" Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes.
16 Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
17 Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,
18 uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Liebe Gemeinde,

I. (Sichtbar- Unsichtbar)

Ein Teilnehmer an einer fünftägigen Seelsorgetagung kam nach Hause. Er klingelte an der Tür. Seine Frau machte ihm auf und erschrak förmlich, als sie ihn sah und sagte: Mensch, du siehst ja 10 Jahre jünger aus! Der Schreck war aber nur im ersten Moment. Die Freude war hinterher umso größer…

Tja, sich von innen erneuern lassen, das ist es! Von innen nach außen. Das geschieht da, wo der Heilige Geist mächtig anfängt zu wirken und wo man ihn wirken lässt. Da werden Menschen verändert, da werden sie verwandelt, da bekommen sie einen Jungbrunnen in ihrem eigenen Inneren…. Es ist wunderbar!

Machen wir mal ein Gedanken-Experiment: Nehmen wir ein Blatt Papier, machen einen dicken Strich in der Mitte: Auf der linken Seite bringen wir die Überschrift an "unser äußerer Mensch verfällt!", auf der rechten Seite: "unser innerer Mensch wird von Tag zu Tag erneuert"

Was fällt uns dazu ein?

Denk - Pause.

Die linke Spalte füllt sich sehr, sehr schnell, vor allem bei den Älteren.

Was ist mit der rechten Spalte?

Deshalb habe ich heute mit einem Beispiel begonnen, wo die rechte Spalte aktiv war.

Gott liebt es, beim Unsichtbaren anzufangen und zum Sichtbaren weiter zu schreiten. Das ist sein Stil. Wir Menschen haben in der Regel andere Vorstellungen.-

Die meisten versuchen, sich von außen nach innen zu regenerieren. Ganze Schönheits-Industrien leben davon, dass sie den Menschen Lust machen, sich ständig schöner (und das bedeutet ja heutzutage: jünger) machen zu lassen - von außen natürlich. Warum hat es bei dem anfangs erwähnten Teilnehmer so gut funktioniert? Weil er sich geöffnet hat, weil er ehrlich war und weil er keine Angst hatte davor, dass der Heilige Geist ihn verändert.

Ihr Lieben, Paulus weiß schon, warum er die unsichtbare Welt höher einstuft als die sichtbare. Die unsichtbare Welt ist viel, viel mächtiger. Heutzutage ist das ein Geheimnis, das kaum einer kennt. Denn alle Welt gibt, wenn man sie fragt, was mächtiger sei, natürlich die klare Antwort: Die sichtbare ist mächtiger! Unsichtbare Welt - was ist denn das? Das Fernsehen schweigt davon, die Zeitungen melden nichts, die Wissenschaft kann dazu nichts sagen - also, was soll das denn sein, unsichtbare Welt? Ihr Lieben, ich verrate euch etwas: Die unsichtbare Welt ist viel stärker als die sichtbare! Gott ist in der unsichtbaren Welt! Und der hat die besseren Karten, mag die sichtbare uns noch so anschreien!

Und ich verrate euch noch etwas: Ihr seid Geheimnisträger! Kein Mensch hat irgendeine Ahnung davon, dass die unsichtbare Welt stärker ist als die sichtbare.

II. (Ich glaube, darum rede ich)

Ein Zeugnis von mir. Meine Ilse war bis vor einige Jahren Allergikerin, die bei dem gegenwärtigen Frühlings-Pollenflug enorm litt. Sie sagte einmal zu mir: Komm, bete für mich. Ich leide so. Ich betete ein paar Minuten mit ihr. Ich rufe die Kraft der Auferstehung hinein in ihr Leben. Sie hat an diesem Tag Ruhe. Nur an diesem Tag. Am nächsten Tag beten wir beiden wieder miteinander. Und sie hat wieder Ruhe. Und so weiter. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt.

Ich glaube, darum rede ich, sagt der Apostel. Halleluja, ich darf sagen: ich glaube, weil ich Gott wirken sehe. Ich glaube, weil ich die unsichtbare Macht und Wirksamkeit Gottes erfahre. Ich glaube, weil mir die unsichtbare Wirklichkeit Gottes größer geworden ist als die sichtbare Wirklichkeit. Und ich rede davon, dass die unsichtbare Wirklichkeit in die sichtbare hineinwirkt. Und das öffnet mir den Mund. Und wenn die sichtbare Welt mächtiger erscheint, - auch in diesem Fall war es jeden Morgen der Fall - dann glaube ich gegen die Wirklichkeit an die unsichtbare Wirklichkeit der Macht der Liebe Gottes, die sich als Heilung offenbart!

Ich rede das, was Gott tut. Und das, was Gott tut, ist größer und gewaltiger als das, was Menschen tun. Ich rede das, was Gott tut.

Gott tut Gewaltiges! Er holt Menschen aus der Finsternis ins Licht. Er bringt Menschen hinein in sein Reich. Er weckt Menschen aus dem Todesschlaf der Sünde und stellt sie vor sich hin. Es ist gewaltig, was Gott tut!

Und weil ich das sehe, darum rede ich. Der Grund meines Redens von Gott ist nicht in mir. Der Grund meines Redens ist in dem lebendigen Gott und in seinem Handeln. Und ich schaue sein Handeln an und ich wende den Blick nicht ab davon.

Und zuerst redet mein Herz. Es sagt: Schau doch an, was Gott getan hat! Und ich sehe es. Und ich freue mich. Ich fasse Zuversicht. Und ich sehe, dass er es in Afrika und Südamerika noch viel mehr tut. Und ich fasse Zuversicht: Er tut es! Er ist es! Ich erkenne die Handschrift!

Und wenn mein Herz redet, dann redet irgendwann auch mein Mund. Denn was Gott tut, ist groß. Und das, was er tut, öffnet mir den Mund.

Ich glaube, darum rede ich. Was glaube ich wirklich? Was bewegt mein Herz wirklich? Wovon bin ich wirklich bewegt? Ach, wenn wir um uns sehen, sind die Herzen der Menschen bewegt von allem möglichen, vor allem von solchen Sachen, die mutlos machen und verletzen. Von Sachen, die in der Vergangenheit weh getan haben…

Aber die Dinge, die Gott tut, die öffnen mir den Mund. Und wenn sie das tun, dann geschieht etwas Wunderbares.

III. (Die Lobpreis-Gemeinschaft)

Vor einiger Zeit war eine Frau im Lobpreisgottesdienst in unserer Kirche, die in großer Sorge war. Der Arzt hatte Krebs festgestellt.

Sie ging nach vorne und hat geredet. Sie hat ihre Not geäußert. Und die ganze Gemeinde machte sich eins und betete 10 Minuten lang mit. Und sie ging am nächsten Morgen zum Arzt. Und der Arzt konnte nichts mehr feststellen.

Ich habe mich so gefreut, als ich das gehört habe. Aber ich füge noch etwas hinzu, was wichtig ist zum Verständnis. Solche Dinge passieren nämlich nicht zufällig.

Diesem Gebet war einiges vorausgegangen. Erstens: Diese Frau kannte Gott. Sie wusste, dass man beten kann und hatte schon früher Hilfe erfahren. Sie hatte öfter geredet und hatte ihre Probleme vor den Herrn gebracht. Sie ist zum Arzt gegangen, natürlich, aber Gott war der erste, dem sie das brachte. Und auch als der Arzt die Stirn runzelte, hat sie die Zuversicht nicht verloren.

Und zweitens: In den Wochen davor sind nicht weniger als fünf Menschen von Krebs geheilt worden. Hier im Hauptgottesdienst hat eine davon berichtet. Weil Gott etwas getan hatte, konnte sie nicht davon schweigen. Aber es ist noch viel mehr geschehen, auch und gerade im Anschluss an diese Heilung. Und diejenigen, die in den Gebetskreis gehen, haben auch davon erfahren. Und das hat ihren Glauben gestärkt. Und so war letzten Sonntag abend die Bereitschaft da, von Gott Großes zu erwarten. Und so geschah es auch. Nicht nur der Glaube der Einzelnen bewirkt Wunder, auch der Glaube der Gemeinde.

Wenn der Glaube zu reden beginnt, dann erzählt sich das Volk Gottes untereinander, was Gott tut. Und dann ist ein großes Geben und Nehmen. Dann ist da ein Danken und Preisen, dann ist da ein Rühmen und Loben.

Das ist das, was Gott eigentlich will, eine solche Gemeinschaft des Lobpreises und des Dankes, eine solche Gemeinschaft des Erzählens der großen Taten Gottes und der Erwartung, dass er noch mehr tut. Es geht um den Menschen. Um den Menschen, der leidet und der Hilfe sucht und sie finden soll. Es ist ein ganz einfacher Mitteilungsvorgang. Und jeder, der jetzt denkt: "Warum habe ich so etwas nicht schon längst getan, so etwas zu äußern und für mich beten zu lassen?", der denkt ganz richtig. Paulus hat auch so gedacht: Denn es geschieht alles um euretwillen, damit die überschwängliche Gnade durch die Danksagung vieler noch reicher werde zur Ehre Gottes. Die Gnade Gottes soll wirken. Sie soll noch reicher werden. Die Ehre Gottes soll größer werden. Gemeinde Gottes ist ein Lobpreis- und Hilfs-Gemeinschaft. Denn wenn der Glaube redet, wenn er weiter geht vom einen zum anderen, dann wird es immer mehr.

Das ist Ostern nach dem Geschmack Gottes. Wenn einer nach dem anderen heil wird, wenn die Gemeinde immer kühner wird im Erwarten großer Dinge von Gott.

Versteht ihr? Es geht um mehr! Es geht darum, dass es immer mehr wird! Man kann Ostern nicht einsperren in ein "Alle Jahre wieder Ritual!" Dazu ist die Kraft Gottes zu groß. Die überschwängliche Gnade Gottes soll reichlicher fließen, reichlicher als je zuvor!

Das ist etwas für Leute, die mit heißem Herzen von Gott mehr erwarten! Und die schreien: Mehr von dir!

IV. (Äußerer Mensch - Innerer Mensch)

Noch einmal zurück zu dem Unterschied zwischen äußerem und innerem Menschen.

Was ist dieser innere Mensch? Das ist unser menschlicher Geist, oder unser Herz, wie es die Bibel manchmal sagt. Der innere Mensch gehört zum Unsichtbaren. Und das Unsichtbare ist zwar ewig, und es ist sehr, sehr wirksam, aber es schreit nicht.

Der innere Mensch lebt vom Wort Gottes. Er will vom Wort Gottes ernährt und gepflegt sein. Das ist - man verzeihe mir das supersachliche Wort - organisierbar. Man kann das einrichten. Dafür sind wir selber verantwortlich. Wenn ich fragen würde: Wer liest täglich seine Bibel, nimmt sich Zeit dafür, und betet ausführlich? Dann würden sich hier einige Hände heben. Und dann könnten die anderen diejenigen Fragen, die die Hände gehoben haben: Sag mal, was kann man tun, damit der innere Mensch erneuert wird? Und sie würden ihnen das schon sagen.

Der innere Mensch will mehr von Gott. Den inneren Menschen verlangt es danach, mehr von der österlichen Wirklichkeit Gottes zu erleben und immer tiefer in sie hinein zu kommen.

Und wer an diesen Jungbrunnen in sich hat und ihn täglich aufsucht, der wird nicht müde. Er wird und wird nicht müde. Die anderen sagen: Der muss doch längst umfallen. Aber er wird nicht müde.

Er hat ein Geheimnis. Er hat einen inneren Menschen. Und dieser innere Mensch wird erneuert. Und zwar Tag für Tag.

Auf der anderen Seite kann der innere Mensch auch total inaktiv sein. Er kann zugrunde gehen. Er kann umkommen in all dem Bösen und Unerfreulichen, was auf uns einstürmt und wogegen wir uns nicht wehren. Dann stirbt er schnell. Meistens sogar schmerzlos und unbemerkt.

Und dann, wenn wir wieder einmal am Ende sind, dann meldet sich die Ewigkeit und die Welt der unsichtbaren Dinge wieder zu Wort. Und dann fangen wir wieder an, den inneren Menschen zu entdecken. Und wenn die Krise vorbei ist, dann hören die Gebete auf, und dann verstaubt die Bibel wieder.

Gott will das nicht. Gott will, dass der innere Mensch Tag für Tag erneuert wird. Tag für Tag. Gott will, dass wir uns in die unsichtbaren Dinge verlieben. Dann kann er all die gewaltigen Dinge mit uns tun, die er sich ausgedacht hat.

Erst wenn uns die unsichtbaren Dinge größer geworden sind als die sichtbaren, dann ist wirklich Ostern geworden. Dann ist Ostern endlich das, was Gott schon immer wollte: Nicht bloß eine Zeit im Jahr, wo man Osterschmuck aufhängt, Schokoladenhasen kauft und Eier verzehrt. Dann ist Ostern endlich die Zeit, in der Gott sich in unserem Leben verherrlicht. Dann ist Ostern die Zeit, in der Gott das tun darf, was er schon immer wollte: Menschen zu sich ziehen, sie erneuern und in ihnen ein Feuer der unbändigen Hoffnung entzünden.

Die sichtbaren Dinge, von denen alle Welt so fasziniert ist, ziehen sehr an uns. Sie haben uns in den Schmutz dieser Welt hineingezogen. Aber heute steht der auferstandene Jesus vor einem jeden vor uns und sagt: Komm, geh hinter mir her! Komm, ich zeige dir alle Schätze Gottes! Komm hinter mir her!

Komm und wirf deinen alten Schrott weg! Komm und laß dich erneuern!

Gott segne uns, damit das geschehen kann. Amen.