home  

Beispielhafter Glaube eines Soldaten

Predigt über Matthäus 8, 5 - 12

3. Sonntag nach Epiphanias 26. 1. 2003

Auferstehungskirche Schweinfurt

5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn
6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.
7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.
8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.
10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!
11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;
12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Liebe Gemeinde,

wenn man als Seelsorger mit vielen Menschen in außergewöhnlichen Lagen zu tun bekommt, dann verwundert einen so leicht nichts mehr. Man wird sozusagen abgebrüht. Wo andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, da sagt sich der Seelsorger: "Kenn ich doch." Jesus ist es so ähnlich gegangen. Er war so leicht durch nichts zu erschüttern. Aber das, was heute berichtet wird, das hat ihm doch den Mund offen stehen lassen.

I. (Wie der Soldat das Handeln Jesu in Soldatensprache ausdrückt)

Er begegnet nämlich einem Soldaten. Und Soldaten sind bekanntlich eine besondere Art von Menschen. Soldaten sind Soldaten mit Worten und mit Taten, sagt das Sprichwort. Und das, was Jesus zum Staunen bringt, ist die Art und Weise, wie der Soldat das Reden und wirken Jesu in seine Sprache übersetzt.

Der römische Hauptmann sagt:

Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.

Jesus, für dich ist doch der Umgang mit der Krankheit so wie für mich der Umgang mit meinen Soldaten. Ich befehle - er gehorcht. Ich sage ihm: "Geh dorthin!" und Er geht. Ich sage zu meinen Untergebenen: "Tu das!" so tut er´s.

Jesus, so, wie ich mit den Soldaten umgehe, so gehst du mit der Krankheit meines Knechtes um. Du befiehlst: "Geh weg!" und sie geht. Du sagst: "Hau ab, du Dämon!" und er haut ab. Du sagst: "Sei heil!" und der Kranke ist heil.

Der römische Hauptmann ist wirklich sehr erstaunlich. Das, was Jesus tut, übersetzt er in seine Soldatensprache, erklärt, was Jesus tut, mit seinen Begriffen von Befehl und Gehorsam. Das ist sehr erstaunlich, und dass Jesus diese Interpretation seines Tuns aus dem Mund eines Soldaten nicht abwehrt, sondern mit hohem Lob bedenkt "Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden", zeigt, dass der römische Hauptmann einen wesentlichen Punkt begriffen hat.

Haben wir verstanden? Der Hauptmann setzt Jesu heilendes Handeln mit dem gleich, was sich in seinem militärischen Alltag in Befehl und Gehorsam andauernd abspielt. Jesus, wenn einer krank ist, dann schnippst du nur mit dem Finger, und die Krankheit ist weg. So wie ich nur einen Befehl geben brauche, und meine Soldaten bauen eine Brücke über einen Fluss. So einfach ist das für dich, ich weiß das!

Der Vergleich ist in seiner Einfachheit und Kühnheit dermaßen frappant, dass es einem den Atem verschlägt. Man kann Jesus verstehen, wenn er sagt: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

II. (Die Bedeutung dieser Sprache)

Man bedenke, was dass bedeutet, dass der Soldat dieses Tun Jesu kurz, knapp und militärisch interpretiert:

1. Er hat überhaupt keine Probleme damit, dass die unsichtbare Welt in die sichtbare hineingreift. Wir haben es uns im Abendland angewöhnt, das Handeln Gottes in eine spirituelle Hinterwelt zu verbannen und zu meinen: Jesus kümmert sich um die Seele, ja, aber doch nicht um den Leib! Dafür sind doch bitteschön die Ärzte zuständig!

2. Er rechnet mit der Wirksamkeit des Wortes. Wenn Jesus sagt. "Krankheit, verschwinde!", dann ist es für ihn ebenso, wie wenn er seinem Soldaten sagt. "Mach mal das!" und er muss es tun, er kann gar nicht anders. Befehlsverweigerung wäre sein Tod.

3. Dass man beim heilenden Handeln mit Mächten der Gegenseite zu tun bekommt, ist für den Soldaten kein Problem. Der rechnet von vorne herein mit diesen Mächten, und er ist gewöhnt, sie aufs Korn zu nehmen, und er traut Jesus zu, dass er seine eigene Vollmacht richtig einschätzt, die er braucht, um mit den Mächten der Gegenseite fertig zu werden. Wie man sieht, hat dieser Soldat mit seiner militärischen Bildung dermaßen viel von dem Wirken Gottes begriffen, dass selbst Jesus der Kinnladen herunterfällt vor Staunen.

Jesus war des Staunens voll (so kann man auch übersetzen) und sagte: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

Das ist stark. Das ist gewaltig, was der Soldat da abliefert!

Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Wißt ihr, sagt Jesus zu den Leuten, was sich da abspielt? Ihr vom Volk Gottes, ihr Juden, die ihr meint, ihr hätten das Reich Gottes fest im Besitz und keiner könnte es auch wegnehmen, ihr erlebt es heute, dass die Heiden hineinstürmen in das Reich Gottes! Und das, was euch erschien wie euer Monopol, das werdet ihr mit den Völkern teilen müssen.

Was sich hier abspielt, hat Ewigkeitsbedeutung. Die Völker kommen und werden mit Abraham und Isaak zu Tische sitzen. Es werden nicht länger die Nachkommen Abrahams allein das Reich Gottes bevölkern, sondern es werden viele Völker sein.

III. (Die Geschichte von Anfang an)

Aber noch einmal von Anfang an. Der befehlsgewohnte Hauptmann, der selber der Teil einer Militärmaschinerie ist und da auch selber kräftig mitmischt, kommt in eine saftige Krise. Sein Knecht ist gelähmt und leidet fürchterliche Qualen. Was macht der befehlsgewohnte Mann in so einem Fall? Er tut, was er kann, er holt den Arzt, der zuckt mit den Achseln..... Der Hauptmann kann es nicht mit ansehen, wie der Knecht leidet, und so ist er selber am Ende.

Warst du schon einmal richtig am Ende? Hast du schon einmal richtig geschrieen: "Ich halte das nicht mehr aus! Ich dreh´ durch! Ich krieg die Krise!"? Und was hast du da getan?

Der befehlsgewohnte Hauptmann ist am Ende. Er schaut um sich. Was kann man tun? Meine Güte, wer kann denn da helfen? Da sagt ihm einer: Du, die Juden haben doch so solche Gottesmänner, da ist gerade einer von ihnen in der Nähe, Jeschua heißt er, oder so ähnlich. Aber pass auf, Hauptmann, du darfst ihm eigentlich nicht zumuten, zu dir ins Haus zu kommen. Wenn diese Juden in das Haus eines Nichtjuden gehen, dann müssen sie sich immer hinterher reinigen...

Komm, schick doch einen hin, der ihn holt!

Der Hauptmann sagt: Nein, da geh ich selber hin. Das besorge ich selber. Diesen Jesus möchte ich selber sehen. Und er macht sich auf. Er muss nicht weit gehen, Kapernaum ist kein großer Ort, am Ortsausgang sehen sie schon Jesus in einer großen Menschentraube. Er hat gerade einen Aussätzigen geheilt. Und er geht hin zu Jesus:

Jesus, jetzt brauche ich Hilfe! Mein Knecht ist todkrank. Ich kann das nicht mit ansehen, wie der Mann leidet!

Jesus schaut ihm in die Augen. Der Hauptmann ist fasziniert: Noch nie habe ich einen solchen Gesichtsausdruck gesehen. Der Mann ist wirklich ein Gottesmann! Und dann sagt Jesus nur: Ich will kommen und ihn gesund machen.

Halleluja, frohlockt der Hauptmann innerlich, er will kommen! Aber er erinnert sich, dass man ihm das gesagt hat mit dem Juden im Haus des Nichtjuden...

III. (Die Demut des Römers)

So sagt er: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Jesus schaut dem Mann schon wieder in die Augen. Das hat er noch von keinem Heiden gehört. Schon gar nicht von einem römischen Hauptmann. Diese Leute, die sich als Repräsentanten einer Weltmacht fühlen, diese Leute, die sonst vor Hochmut platzen!

Jesus schaut ihn sich an: Was bist du für einer, wenn du so einen Satz herausbringst? Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Wie viel Gotteserkenntnis ist bei dir, dem Heiden vorhanden? Wie viel weiß dieser Hauptmann, was zwischen Gott und dem Menschen ist? Wie genau weiß er, dass Gott heilig ist und er, der Mensch, unheilig? Unheilig im höchsten Maße? Wie genau weiß dieser heidnische Hauptmann, dass er ein Sünder ist?

Paulus schreibt im Römerbrief (2,14f):

Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen...

Genau das ereignet sich bei diesem heidnischen Hauptmann. Er wird mit Jesus konfrontiert. Indem er Jesus sieht, wird ihm bewusst, wer er ist. Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

V. (Demut in der Abendmahlsliturgie)

Wir sprechen das Wort in der Abendmahlsliturgie. Auch nachher werden wir es sprechen. Wenn wir das Wort sprechen, sollten wir es auch so meinen: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Dieser Satz drückt Demut aus.

Der Hauptmann hat diese Demut. Diese Demut ist nicht bloß ein Eingehen auf jüdische Bräuche, sie ist mehr. Der Hauptmann sieht klar, wer Gott ist und wer er selber ist. Und er weiß genau: Ich habe keinerlei Chance! Jesus passt nicht unter mein Dach. Wenn Jesus unter mein Dach geht, dann kommt es zu einer Revolution!

Weißt du, was es bedeutet, in das Haus Gottes zu gehen? Weißt du, was es bedeutet, sich der Gegenwart Gottes auszusetzen? Den Dornbusch brennen zu sehen? Und aus dem brennenden Dornbusch heraus die Stimme Gottes zu hören, die Stimme, vor der die Welt erzittert?

Der Hauptmann weiß es offensichtlich, dass Jesus nicht in sein Haus kommen kann. Er weiß es. Weißt du, was das bedeutet, Jesus in sein Lebenshaus einzuladen? O, es bedeutet sehr, sehr viel. Es bedeutet,
· dass in diesem Haus alles umgeräumt werden muss.
· dass dieses Haus ein Haus des Friedens wird, nachdem es ein Haus des Krieges war.
· dass dort, wo Hochmut und Härte geherrscht haben, von nun an Demut und Unterordnung herrschen...
· dass ich meine verzweifelte Gewissheit: "Ich werde an dieser Sache ganz gewiss scheitern!" an der Garderobe abgeben muss,
· dass nichts so bleiben kann wie bisher.

Weißt du eigentlich, dass das Haus deines Leben sich einen totalen Umbau gefallen lassen muss? Und wenn Jesus in deinem Lebenshaus einzieht, du dir gefallen lassen musst, dass er sich nicht mit dem Besuchszimmer begnügt, sondern dass er in deinem Haus umhergeht und es in Augenschein nimmt, und dass ihm da einiges auffällt, was man nicht so lassen kann, und was verändert werden muss?

Der Hauptmann weiß es. Er gibt seinen römischen und soldatischen Stolz an der Garderobe ab. Hast du alles abgegeben, was dich hindert, Jesus wirklich in der Tiefe zu begegnen? Hast du es abgegeben?

Wir werden gleich vor dem Abendmahl die Gelegenheit haben, diesen Schrott abzugeben. Gott segne uns, wenn wir uns aufmachen, ihm zu begegnen.

Amen


home